#LernMichKennen · Geschichte 09
„Ich möchte Menschen nicht beurteilen, bevor ich sie kenne – und jeden Tag darin wachsen, ihnen mit mehr Menschlichkeit, Geduld und Offenheit zu begegnen.“

„Du musst meine Meinung nicht teilen. Aber lern mich kennen, bevor du über mein Leben entscheidest.“
Ich bin Andrea, 40 Jahre alt, ich bin in Ungarn aufgewachsen und nach dem Abitur ein heilpädagogisches Studium (Konduktive Pädagogik) absolviert. Dies folgte ein Bachelor Studium in der Psychologie, während ich (vor 14 Jahren) nach Deutschland gezogen bin und mein Master Studium in der Psychologie schon in Deutschland absolviert habe.
Ich arbeite seit 16 Jahren mit beeinträchtigten bzw. hilfsbedürftigen Menschen, zunächst in der Behindertenhilfe, danach in zwei großen Kliniken für akinder- und Jugendpsychiatrie und seit 4 Jahren bzw. in der Kinder- und Jugendhilfe. Aktuell bin ich als Leitung einer mittelgroßen Einrichtung im schönen Chiemgau tätig.
In meiner Freizeit bin ich viel in der Natur mit meinen Hunden und sind die Verabredungen mit meinen Freunden und Freundinnen sehr wichtig.
Meine ganze Berufstätigkeit mit den jungen Menschen in herausfordernden Lebenslagen (sei es körperliche und kognitive Beeinträchtigungen, psychosozial ungünstige Lebenssituationen oder psychiatrische Störungen und emotionale Belastungen) prägen mein Leben jeden Tag auf Neuestem, mein Ziel ist es, die hilfsbedürftige Menschen zu einer höchstmöglichen Teilhabe am Leben zu verhelfen. Dabei habe ich in einigen Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen leider Umstände und Strukturen vorgefunden, die für die frühkindliche Entwicklung leider sehr ungünstig waren. Traurig macht es mich, dass grundlegende strukturelle Fehler auch in den heutigen Tagen nicht hinterfragt werden und in den Fachkonzepten die entwicklungspsychologische Grundlagen keine Berücksichtigung finden.
Mein Ziel ist es, über mich hinauszuwachsen und mich jeden Tag zu verbessern und somit den uns anvertrauten jungen Menschen das Leben ein Stückweit zu erleichtern. Ich möchte in der Lage sein, jederzeit und in jeder Situation neben Fachlichkeit menschlich und geduldig zu den Mitmenschen zu sein, nach dem Motto: in a world where you can be everything just be kind.
Ich wünsche mir für meine Umgebung und die Gesellschaft, in der ich agiere, Frieden und Verständnis einander gegenüber.
Sorgen bereitet mir eine gesellschaftliche Entwicklung, demnach Menschen verurteilt, verachtet und ausgegrenzt, abgelehnt oder vertrieben werden.
Ich habe Angst davor, selber Menschen zu verurteilen und innerlich abzulehnen, ohne sie kennengelernt zu haben und damit Menschen wehzutun. Ich bin grundsätzlich mittlerweile eine harmoniebedürftige Person und dennoch habe ich in manchen Begegnungen Berührungsängste und beuge zu Vorurteilen.
Ich habe von meinen Kolleginnen im sozialen Bereich viel über Menschlichkeit, Geduld, Liebe und Frommheit gelernt und dafür bin ich unendlich dankbar. Ich wünsche mir Kollegen und Freunden um mich herum, von denen ich weiterhin über Umgang mit Mitmenschen, Haltung, Geduld und Demut lernen kann.
Ich wünsche mir persönlich selbst aber auch für unsere Gesellschaft mehr Toleranz und Akzeptanz- in dieser Hinsicht möchte ich auch noch wachsen.
Mein Vorbild ist Beate Höss-Zenker von der Stiftung Pfennigparade, die mit ihrer liebevollen Art und unermüdlicher Engagement so viel für die Verbesserung des Lebens von beeinträchtigten Menschen erreicht hat, ich bewundere ihre stets positive Haltung, dass sie in jeden das Gute sieht und jeden Menschen bzw. jede Situation mit bejahender begegnet und die Herausforderungen mit Zuversicht bewältigt.
Auch mein jetziger Vorgesetzter erweitert meine Perspektive hinsichtlich Umgang mit Herausforderungen im (Arbeits)Alltag, ich bin wahnsinnig dankbar dafür, dass er mich so akzeptiert wie ich bin und mit seiner Unterstützung ich meine Aufgaben bewältigen und an ihnen wachsen kann. Er ist ein fantastischer und sehr geschätzter Mensch, ich danke dafür, dass ich es erfahren darf.
Zudem bin ich unendlich froh, dass ich in der Lage bin, den Mitmenschen zu helfen und ich dienen darf. „Mein Lohn ist es, dienen zu dürfen“.
Das ist ein Teil meiner Geschichte. Geschichte Nr. 9. Jetzt möchte ich deine kennenlernen.