#LernMichKennen · Geschichte 02
„Vielleicht beginnt Gesellschaft genau dort, wo ein Mensch einem anderen nicht egal ist.“

„Du musst meine Meinung nicht teilen. Aber lern mich kennen, bevor du über mein Leben entscheidest.“
Wir sind Heidrun und Hans Peeks. Ehepaar, Eltern, Großeltern und seit mehr als zehn Jahren ehrenamtliche Behördenbegleiter in Wilhelmshaven. Wir helfen Menschen bei Anträgen, Formularen und Behördengängen. Hans übernimmt meist die Kommunikation mit Behörden, Heidrun begleitet die Menschen, wenn Emotionen hochkommen. Denn hinter einem Verwaltungsvorgang steckt manchmal ein ganzes Schicksal.
Hans war EDV-Lehrer, Heidrun Grundschullehrerin. Heute füllt sie mit Eltern Anträge aus und macht Leseübungen mit Kindern, die noch nicht so gut Deutsch sprechen. Zu uns kommen Menschen aus aller Welt – anfangs vor allem aus dem Irak und Syrien, heute etwa aus dem Kongo, Ungarn oder Marokko. Wenn nötig, helfen Übersetzungsprogramme oder Sprachmittler. Menschen sollen ihre Behördenangelegenheiten irgendwann selbst regeln können.
Wir erleben, wie viel Angst komplizierte Formulare machen können. Früher begleiteten wir Menschen zu Behörden und nahmen ihnen buchstäblich die „Türschwellen-Angst“. Heute läuft vieles online – leichter ist es deshalb nicht. Besonders schwer ist es, wenn Anträge darüber entscheiden, wie es für eine Familie weitergeht. Aktuell haben wir viel mit Anträgen für die Ausländerbehörde zu tun.
Unsere Fälle werden über die Wilhelmshavener Familienzentren vermittelt, acht aktive Begleiterinnen werden von der Freiwilligenagentur der GPS koordiniert. Wir brauchen dringend jüngere Menschen, die dieses Ehrenamt weitertragen. Neue Begleiterinnen dürfen langsam starten – schwierige Fälle übernehmen wir zunächst weiter.
Behördenbegleitung ist dabei nur ein Teil unseres Engagements: Hans ist ausgebildeter Notfallseelsorger, seit vier Jahren Patientenfürsprecher im Klinikum und im AWO-Vorstand. Heidrun unterstützt Kinder beim Lesen, engagiert sich im ambulanten Hospizdienst für Kinder und Erwachsene und leitet den Gesprächskreis „Seh-Stern“ des Blinden- und Sehbehindertenverbandes Niedersachsen. Dabei braucht sie inzwischen selbst Unterstützung: Sie hat weniger als zehn Prozent Sehvermögen und benötigt manchmal Hilfe, um irgendwo hinzukommen.
Vielleicht zeigt gerade das etwas Wichtiges: Jeder Mensch kann derjenige sein, der hilft; jeder kann irgendwann selbst Hilfe brauchen.
Helfen gehört für uns schon lange zum Leben. Auch Nachbarschaftshilfe in unserem Hochhaus in Heppens war für uns selbstverständlich. Unsere zwei Töchter fanden das früher nicht immer großartig, wenn sie deshalb warten mussten. Heute sind sie selbst Mütter, und wir sind glücklich, Kinder und Enkel in unserer Nähe zu haben.
Manche Schicksale nehmen wir mit nach Hause. Aber wir sind ein gutes Team. Wir können nicht jedes Problem lösen. Aber wir können zuhören, da sein und einem Menschen helfen, den nächsten Schritt selbst zu gehen.
Vielleicht beginnt Gesellschaft genau dort, wo ein Mensch einem anderen nicht egal ist.
Das ist ein Teil unserer Geschichte. Geschichte Nr. 2. Jetzt möchten wir deine kennenlernen.