#LernMichKennen · Geschichte 06
„Manchmal sind es gerade die Umwege, die uns dorthin bringen, wo wir wirklich hingehören.“

„Du musst meine Meinung nicht teilen. Aber lern mich kennen, bevor du über mein Leben entscheidest.“
Was lange währt, wird gut
Wenn ich heute auf mein Leben zurückblicke, dann sehe ich vor allem eines: einen Weg, der nicht immer gerade war, aber mich genau zu dem Menschen gemacht hat, der ich heute bin.
Meine Geschichte begann mit einer Kindheit, für die ich bis heute sehr dankbar bin. Ich bin in einem liebevollen Elternhaus aufgewachsen und durfte eine schöne, behütete und stabile Kindheit erleben. Wir lebten in einem Neubaugebiet, in dem ich groß wurde und viele unbeschwerte Momente sammeln konnte. Es war eine Zeit, in der die Welt noch klein und überschaubar war und ich mich geborgen und sicher fühlen durfte. Diese Wurzeln haben mir etwas mitgegeben, das mich bis heute begleitet: das Gefühl, dass ein Zuhause mehr ist als vier Wände. Zuhause bedeutet Sicherheit, Vertrauen und Menschen, bei denen man einfach sein darf, wie man ist.
Nach meiner Ausbildung führte mich mein Weg schließlich nach Bayern. Nicht unbedingt, weil ich es so geplant hatte, sondern weil es im Osten Deutschlands keine Arbeit für mich gab. Also hieß es: Koffer packen, vertraute Umgebung verlassen und irgendwo anders neu anfangen.
München und Bayern waren zunächst alles andere als einfach für mich. Ich hatte das Gefühl, nicht wirklich dazuzugehören. München war meine neue Heimat, aber ich war noch lange kein Teil davon. Ich musste meinen Platz erst finden. Es dauerte, bis aus einer fremden Stadt ein Stück Zuhause wurde.
Doch mit der Zeit veränderte sich vieles. Durch meine Arbeit lernte ich Menschen kennen, durch Freundschaften entstanden Verbindungen, und langsam wurde aus dem Gefühl, fremd zu sein, ein Gefühl von Zugehörigkeit. Ich begann, meinen eigenen Platz zu finden.
Wirklich angekommen bin ich allerdings erst nach einigen Jahren.
Mein Weg dorthin war mit vielen Hürden verbunden. Ich musste immer wieder neu anfangen und bin auch aus privaten Gründen sehr oft umgezogen. Jeder Umzug bedeutete Abschied, Veränderung und die Herausforderung, sich erneut ein Leben aufzubauen. Manchmal war es schwer. Manchmal war ich müde. Und manchmal wusste ich selbst nicht genau, woher ich die Kraft nehmen sollte, wieder aufzustehen und weiterzumachen.
Aber ich hatte immer einen Leitspruch:
„Was mich nicht umhaut, macht mich stark.“
Und genau so war es.
Jede Hürde hat etwas in mir verändert. Jeder Rückschlag hat mich stärker gemacht. Ich habe gelernt, für mich selbst einzustehen, Entscheidungen zu treffen und mein Leben allein zu bestreiten. Ich bin selbstbewusster geworden, habe gelernt, meine eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen und darauf zu vertrauen, dass ich auch schwierige Zeiten überstehen kann.
Dabei habe ich etwas verstanden: Stärke bedeutet nicht, niemals zu fallen. Stärke bedeutet, immer wieder aufzustehen.
Vielleicht hat gerade mein eigener Weg dazu geführt, dass mir die Menschen um mich herum so wichtig sind. Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, für die Menschen da zu sein, die mir etwas bedeuten. Wenn mein Umfeld glücklich und zufrieden ist, dann bin auch ich glücklich. Und wenn mich jemand braucht, dann bin ich da.
Nicht, weil ich muss. Sondern weil es mir wichtig ist.
Heute arbeite ich mit Menschen aus vielen verschiedenen Ländern und Kulturen zusammen – mit großen und kleinen Menschen, mit unterschiedlichen Geschichten, Erfahrungen und Lebenswegen. Dabei erlebe ich täglich, wie unterschiedlich wir sein können. Wir haben verschiedene Sprachen, Traditionen, Religionen und Vorstellungen davon, wie das Leben funktioniert.
Und trotzdem gibt es etwas, das uns alle verbindet:
Wir sind Menschen.
Wir alle möchten gesehen, respektiert und verstanden werden. Wir alle kennen Freude und Traurigkeit, Hoffnung und Angst, Stärke und Zweifel. Und genau deshalb glaube ich daran, dass vieles funktionieren kann, wenn jeder bereit ist, ein kleines Stück auf den anderen zuzugehen.
Man muss nicht immer einer Meinung sein. Man muss nicht alles verstehen oder genauso empfinden wie der andere. Aber man kann zuhören. Man kann respektieren. Man kann Verständnis zeigen. Und manchmal reicht schon ein kleiner Schritt aufeinander zu, um eine große Distanz zu überwinden.
Vielleicht ist das auch eine Erkenntnis, die mein eigenes Leben widerspiegelt.
Ich habe selbst viele Wege zurückgelegt. Ich bin oft aufgestanden, wenn es einfacher gewesen wäre, liegen zu bleiben. Ich habe Orte verlassen, Menschen kennengelernt, Abschied genommen, neu angefangen und mir immer wieder ein Stück Leben aufgebaut.
Und irgendwann ist etwas passiert, womit man vielleicht gar nicht mehr gerechnet hat:
Ich bin angekommen.
Ich habe mein Zuhause gefunden.
Und ich habe meinen Lieblingsmenschen gefunden.
Ob das Zufall war oder Schicksal, weiß ich nicht. Vielleicht ist es am Ende auch gar nicht wichtig. Vielleicht gibt es Dinge im Leben, die einfach dann passieren, wenn die Zeit dafür gekommen ist.
Denn eines kann ich heute ganz sicher sagen:
Was lange währt, wird gut.
Wenn ich heute an all die Steine zurückdenke, die in meinem Leben lagen, dann sehe ich sie nicht mehr nur als Hindernisse. Sie haben mich auf meinem Weg begleitet. Manche waren klein, andere unglaublich schwer. Manche haben mich aufgehalten, andere haben mich gezwungen, einen neuen Weg zu suchen.
Aber Steine müssen nicht für immer im Weg liegen.
Man kann sie wegräumen.
Manchmal braucht man dafür sehr viel Kraft. Und manchmal braucht man Menschen, die einem helfen, den Stein ein Stück zur Seite zu schieben. Menschen, die bleiben, wenn es schwierig wird. Menschen, die einen auffangen, unterstützen und daran erinnern, dass man nicht alles allein schaffen muss.
Vielleicht ist genau das Glück.
Nicht ein perfektes Leben ohne Hindernisse.
Sondern ein Leben, in dem man weiß, dass man die Kraft hat, Hindernisse zu überwinden – und Menschen an seiner Seite hat, mit denen man diesen Weg gemeinsam gehen kann.
Heute bin ich an einem Punkt angekommen, an dem ich merke:
Mehr braucht ein Mensch eigentlich nicht, um glücklich zu sein.
Ein Zuhause, in dem man sich wohlfühlt. Einen Menschen, bei dem man angekommen ist. Menschen, die einem wichtig sind und für die man selbst wichtig ist. Eine Aufgabe, die einen erfüllt. Und die Gewissheit, dass all die schweren Zeiten nicht umsonst waren.
Ich weiß heute, wer ich bin.
Ich weiß, was ich kann.
Und ich weiß, dass ich auch die nächsten Steine aus dem Weg räumen werde, wenn sie irgendwann wieder vor mir liegen.
Denn ich habe gelernt, dass das Leben nicht immer leicht sein muss, um schön zu sein.
Manchmal muss man erst viele Wege gehen, bevor man den richtigen findet.
Manchmal muss man sich verlieren, bevor man wirklich bei sich selbst ankommt.
Und manchmal braucht es viele Jahre, viele Veränderungen und einige Umwege, bevor man plötzlich dasteht und denkt:
„Hier bin ich richtig. Hier möchte ich bleiben.“
Und genau dort bin ich heute.
Das ist ein Teil meiner Geschichte. Geschichte Nr. 6. Jetzt möchte ich deine kennenlernen.