#LernMichKennen · Geschichte 04
„Jeder Mensch verdient Respekt und Würde - unabhängig von Herkunft, Rolle, Gesinnung und Können.“

„Du musst meine Meinung nicht teilen. Aber lern mich kennen, bevor du über mein Leben entscheidest.“
Ich bin Petra. Frau und Macherin. Ehefrau. Bezugsperson für die Söhne meines Mannes. Führungskraft aus ganzem Herzen. Messemacherin. In der Gastronomie groß geworden. Hotelkauffrau habe ich mal gelernt. Heute gestalte ich Messeplattformen. Verbinde Menschen. Schaffe Begegnungen. Bin ehrenamtlich tätig. Und wahrscheinlich bin ich noch vieles mehr, was Menschen in mir sehen.
Wenn ich erzählen soll, was meinen Blick auf Menschen und Gesellschaft geprägt hat, muss ich bei meinen Eltern beginnen.
Meine Eltern waren Vollblutgastronomen. Sie haben in verschiedenen Ländern wie der Schweiz, Spanien und England gearbeitet, bevor sie selbst ein Restaurant führten. In der Gastronomie war es schon immer so, dass die Mitarbeitenden aus den unterschiedlichsten Nationen kamen. Manche kamen aus Ländern, von denen ich als Kind noch nie gehört hatte, wie zum Beispiel Sri Lanka. Meine Eltern lehrten mich früh: Egal, welcher Nationalität ein Mensch angehört und welcher Tätigkeit er nachgeht – jeder verdient Respekt und Würde. Überhaupt lernt man in der Gastronomie sehr schnell, dass alle Aufgaben bedeutungsvoll sind. Stell dir vor, es gäbe niemanden, der die Teller und Töpfe wäscht – dann würden viele andere Tätigkeiten nutzlos. So durfte ich schon in jungen Jahren Vielfalt kennen- und schätzen lernen und mir eine gewisse Offenheit aneignen.
Gleichzeitig durfte ich bereits als junger Mensch erleben, wie herausfordernd Integration sein kann. Von der Gesetzgebung über kulturelle Unterschiede bis hin zu fachlichen und sprachlichen Hürden – von so manchem Vorurteil ganz zu schweigen. Meine Eltern setzten sich immer für ihre arbeitswilligen Mitarbeitenden ein und ließen nichts unversucht, damit sie in Deutschland bleiben durften.
So lernte ich von meinen Eltern und meinen Anfängen in der Gastronomie, nie aufzugeben, jeder Aufgabe eine Bedeutung zu geben und offen auf Menschen zuzugehen – neugierig darauf zu sein, was sie ausmacht, unabhängig von Herkunft und Können.
Etwas Ähnliches durfte ich von meiner Mathematiklehrerin in der Oberstufe lernen. Sie hatte die Gabe, Mathematik verständlich zu machen, und war bereit, jeden bis zum Abitur zu begleiten – vorausgesetzt, man zeigte den Willen zu lernen. Denn dieser Wille, diese Bereitschaft, war und ist die Grundvoraussetzung, um etwas lernen zu können. So lehrte sie mich nicht nur die Bedeutung der Lernbereitschaft, sondern ermöglichte mir auch, eine echte Lernfreude zu entwickeln.
Und weil ich als junger Mensch schon offen, neugierig und lernfreudig war, ging ich für ein Jahr als eine der ersten Austauschschülerinnen in die USA. Mit 16. Ohne Internet, Handy, FaceTime und Co. Das gab es damals alles noch nicht. Englisch zu lernen war dabei nur eine Randerscheinung. Im Wesentlichen durfte ich erfahren, was es heißt, sich anzupassen – und wie das geht. Ich lernte, offen für andere Bildungsniveaus und Perspektiven zu werden, und durfte vor allem erleben, was es bewirkt, wenn Menschen dir etwas zutrauen, dich motivieren und dich einfach machen lassen. Ausprobieren, Erfahrungen sammeln, anpassen oder weglassen – diese Fähigkeiten lernte ich vor allem in diesem Jahr als Austauschschülerin.
Seit vielen Jahren darf ich nun mit ganzem Herzen Messeplattformen gestalten, Menschen, Projekte, Angebot und Nachfrage miteinander verknüpfen, Räume für die Gestaltung der Zukunft einer Branche schaffen und Führungskraft sein. All diese Lernerfahrungen begleiten mich bis heute in meiner täglichen Arbeit.
Bin ich immer offen? Bin ich immer neugierig? Bin ich immer frei von Vorurteilen? Habe ich immer den vollen Willen, weiterzumachen, und glaube ich immer daran, dass alles funktionieren wird? Nein, das tue ich nicht. Doch ich trage all diese Eigenschaften in mir, bin mir ihrer bewusst und wende sie an. Und es gelingt mir immer besser, liebevoll mit mir umzugehen und mich nicht zu verurteilen, wenn es mir mal nicht gelingt. Denn genau das ist für mich die Grundvoraussetzung für einen liebevollen Umgang mit anderen.
Das ist ein Teil meiner Geschichte. Geschichte Nr. 4. Jetzt möchte ich deine kennenlernen.