#LernMichKennen · Geschichte 03

„Wenn jemand sagt, das geht nicht, sag ich meistens: Das geht schon, aber anders.“

„Du musst meine Meinung nicht teilen. Aber lern mich kennen, bevor du über mein Leben entscheidest.“

Ich bin Regina. 1992 hatte ich einen Sauerstoffmangel bei der Geburt – durch die spastische Tetraparese bin ich körperlich beeinträchtigt.

Der Kontakt zum Verein FortSchritt entstand im frühen Kindesalter – damals gab es ausschließlich den Verein, heute auch die FortSchritt Bayern gGmbH. Vor meiner Schulzeit verbrachte ich viel Zeit mit Training und Laufen üben und alle wichtigen Dinge im Leben selbst zu lernen. Der Kontakt zu FortSchritt bleibt immer bestehen, weil mich Menschen interessieren und ich finde es sehr schön, seine Gedanken zu bestimmten Sachen zu teilen. 1x im Jahr komme ich dorthin zurück, wo alles begann.

Geprägt haben mich meine Eltern, meine Lehrer und enge Wegbereiter – Menschen, die mir vertrauen und eine Chance geben oder Möglichkeiten gegeben haben. Ich denke mir öfter: Was würden die Menschen bei FortSchritt jetzt tun?

Man braucht im Leben Mut, Vertrauen und einen starken Willen – Fleiß – und dann wird man für das, was man macht, belohnt. Man darf nicht aufhören, an seine Ziele und Wünsche zu glauben. Manchmal dauert es länger und manchmal geht es auch nicht leicht – aber es ist dann sehr schön, wenn man sieht: Bestimmte Sachen wurden gut erreicht.

Die Arbeitswelt gab mir einige Dämpfer in den ersten Monaten, Jahren – nicht gut genug zu sein.

2016 kam ich zur Lebenshilfe und bekam ganz andere Einblicke und Blicke auf das Leben und die Menschen. Ich lernte Menschen kennen mit ihren Geschichten und das hat auch bei mir dazu geführt, mein Leben zu verändern.

Freude bringt mir Sport und Schwimmen. Freude bringt mir das örtliche Fitnessstudio, die Begeisterung für Fußball und Schwimmen zusammen mit Freunden. Freude bringt mir mein Ehrenamt beim Fußball und Basketball.

Da bin ich einfach nur Regina / oder die Frau an der Kasse.

Mein Leben funktioniert so gut, weil ich und wir gut vernetzt sind. Mein Freund und ich sind nicht zu übersehen und kennen sehr, sehr viele Menschen, sodass wir beim Weihnachtsmarkt oder anderen Festen wie der Nördlinger Mess nicht weit kommen. Das ist positiv gemeint – es hat Vorteile, so bekannt zu sein, aber auch manchmal keine schönen Seiten.

Vieles muss man sich hart erarbeiten und erkämpfen. Wenn jemand sagt, das geht nicht – sag ich meistens: Das geht schon, aber anders.

Manchmal weiß ich tagelang nicht recht weiter und dann kommen meine Assistenten und ich habe wieder neue 💡 Ideen. Oder ich lese Berichte und dann schaut die Sicht auf die momentane Lage anders aus. 👣👣

Manchmal hat man nach all den vielen Jahren keine Kraft mehr zu erklären und dann findet man immer wieder den Mut, wieder neu zu starten.

Ziel ist immer, möglichst selbständig durchs Leben zu gehen – für die Selbständigkeit und den Mut muss man auch selbst wieder vom Boden aufstehen und immer wieder neu anfangen zu gehen. Neue Dinge ausprobieren – vieles ausprobieren – manches hilft mir nun sehr in der Mobilität.

Es gibt bei mir immer Bedenken und Ängste vor großen Veränderungen in der Arbeitswelt. Ich habe immer Ängste vor großen Veränderungen und ich denke, es kommt auch durch Ablehnungen, die ich erfahren habe. Ablehnungen auf dem Arbeitsmarkt und Schwierigkeiten im früheren Bereich des Wohnens.

Seit November wohne ich weitgehend selbstständig mit stundenweiser ambulanter Unterstützung.

Man sollte auf die Menschen und die Zusammenhänge schauen und nicht vorschnell urteilen.

Ich habe auch mal vorschnell geurteilt und habe nach einiger Zeit aber nicht mehr das Negative gesehen – sondern das Positive. Aus schwierigen Lebenslagen sind gute Freundschaften entstanden.

Etwas, was ich mit diesem Text bezwecken möchte, ist, Menschen mit einer ähnlichen Situation oder ähnlichen Problemen eine Chance und Möglichkeiten zu geben.

Manche Menschen passen nicht in Schubladen und man darf nicht aufhören, für Vielfalt und Inklusion zu kämpfen.

Mein damaliger Ansprechpartner hat eine Schublade zwischen 1. Arbeitsmarkt und Arbeiten in Werkstätten gefunden.

Seit einigen Jahren bin ich tageweise bei Außenarbeitsplätzen eingesetzt. Dies ist für alle nicht immer einfach – aber es ist sehr wertvoll für beide Seiten: ein wertschätzendes und gutes Miteinander.

Das ist ein Teil meiner Geschichte. Geschichte Nr. 3. Jetzt möchte ich deine kennenlernen.

#LernMichKennen #EineGeschichteAmTag #Perspektivwechsel #Inklusion #Vielfalt #Selbstbestimmung

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Jetzt möchten wir deine kennenlernen.

Du musst unsere Meinung nicht teilen. Aber erzähl uns, wer du bist – deine Sorgen, Ängste, Wendepunkte. Eine Geschichte am Tag.

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